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das liebe kleine Schaf und der Wolf im Schafspelz

                                                                                                                                                 21.10.2004

Es war einmal ein liebes kleines Schaf in einer Herde voller mehr oder weniger lieber kleiner Schafe. 
Der Hirte hatte mehrere Herden, die an verschiedenen Stellen weideten; manchmal wurden auch 2 oder 3 Herden zusammen auf eine große Weide getrieben. So kannten die Schafe einander in ihrer kleinen Herde recht gut, lernten aber immer wieder neue Schafe aus den anderen  Herden kennen.
 
Einmal kam ein netter Hammel zu dem lieben kleinen Schaf. Die beiden freundeten sich an. Der Hammel war lustig und hilfsbereit und hatte viele interessante Ideen, welche die Langeweile aus dem Leben des lieben kleinen Schafs vertrieben.
 
Einmal schlug er vor, die Herde ein wenig hinter sich zu lassen und in eine abseits gelegene kleine Schlucht hinabzusteigen. Das machte dann weniger Spaß, als das liebe kleine Schaf sich vorher gedacht hatte.

Oder er fing einen kleinen Kampf mit einem anderen Hammel an, um Kräfte zu messen - das machten Hammel manchmal, aber das liebe kleine Schaf mochte es nicht. Manchmal fand das liebe kleine Schaf den Hammel etwas seltsam und fragte "warum machst du das?" Dann erklärte es der Hammel, und das liebe kleine Schaf hatte etwas dazugelernt.

 
Eines Abends, als die Schafe zusammengetrieben wurden, hielt der Hammel das liebe kleine Schaf zurück: "komm, wir bleiben hier und gehen nicht mit in den Stall! Es wird spannend, einmal die Nacht ausserhalb des langweiligen Stalls zu erleben!" Das liebe kleine Schaf zögerte, aber was der Hammel sagte, klang interessant und verlockend - warum also nicht.
 
Die beiden legten sich hinter die Heckensträucher und warteten, bis die Herden mit den Hirten und den Hunden verschwunden waren.
Da plötzlich kam ein tiefes Grollen aus dem Maul des Hammel - der sah gar nicht mehr nett aus - sondern gefährlich - er riss einen riesigen Wolfsrachen auf - das Schaffell platzte aus allen Nähten  - es fiel ab - und der große graue Wolf stand leibhaftig vor dem Schaf - die Zähne blitzten... in seiner Todesangst schrie das liebe kleine Schaf einen lauten Todesschrei und rannte so schnell wie es nie gedacht hat, dass es rennen könnte.
 
Zu seinem Glück hatte der Hirte, der den Schluss der Herde bewachte, sehr gute Ohren und ein schnelles Reaktionsvermögen. Gerade, als der Wolf den Nacken des lieben kleinen Schafs gepackt hatte, schlug er mit seinem Knüppel auf dessen Kopf. So war das liebe kleine Schaf verängstigt und verletzt, aber gerettet!
 
Am nächsten Tag wollte das liebe kleine Schaf keinen Hammel und kein Schaf aus den anderen Herden mehr sehen. Es vertraute nur noch den Schafen der eigenen Herde. Und selbst diesen nicht mehr so recht...
 
- Und wenn es nicht gelernt hat, Schafe in Wolfspelzen von echten Schafen  zu unterscheiden, dann lebt es noch heute so verängstigt und zurückgezogen wie damals.
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