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der gute weise Eulengroßvater

 

Es war einmal ein guter weiser Eulengroßvater, der lebte in einer ganz normalen Eulenhöhle in einem ganz normalen hohlen Baum mitten im Eulenwald.

Der gute weise Eulengroßvater war eigentlich kein richtiger Großvater, denn er hatte keine eigenen Kinder und darum auch keine eigenen Enkelkinder.

Er war auch noch gar nicht so furchtbar alt.

 

Und trotzdem war der gute weise Eulengroßvater ein richtiger Großvater, denn alle kleinen und größeren Eulenkinder in dem Eulenwald nannten ihn so. Und er schaute alle kleinen und größeren  Eulenkinder mit seinen warmen gold-braunen Eulenaugen so freundlich an, wie es kein anderer Eulengroßvater besser gekonnt hätte.

 

Die Eulenmütter im Eulenwald fanden auch, dass er ein richtiger Eulengroßvater war.

Wenn ihre kleinen und größeren Eulenkinder ihnen mal so richtig auf die Nerven gingen

oder in der Eulenschule nur noch die Eulenlehrer ärgerten und gar keine Hausaufgaben mehr machten, oder wenn sie gar im Eulen-Supermarkt anfingen zu klauen – OH  WEHHH !!! – dann flogen sie mit ihren Eulenkindern zum Eulengroßvater.

Dann wurde alles wieder gut.

 

Der gute weise Eulengroßvater lebte ja in einer ganz normalen Eulenhöhle – nun, der Eingang zu seiner Höhle sah ein bisschen freundlicher aus als die anderen Eingänge; und in seiner ganz  normalen Höhle drin sah es ein bisschen freundlicher aus als in anderen Eulenhöhlen. Darum hielten die anderen Eulen sich gern in der Nähe seines Höhleneingangs auf, und jeder freute sich, in seine Höhle eingeladen zu werden.

 

Kam nun eine verzweifelt-zeternde Eulenmutter mit ihrem frechen oder bockigen oder wütenden oder stinkfaulen Eulenkind zu ihm geflogen und bat „UHU- SCHU HU“ um Einlass, dann öffnete der gute weise Eulengroßvater die Tür und lud beide ein, herein zu kommen. Er bot ihnen ein wenig Wasser an – sein Wasser schmeckte besonders gut und klar, denn er holte sein Wasser immer von ein wenig ausserhalb des Eulenwalds aus der Quelle des Lebens; diese Mühe machten sich nur wenige Eulen.

 

Während sie ihren Durst stillten, schaute der gute weise Eulengroßvater die Eulenmutter und ihr Eulenkind abwechselnd mit seinen großen warmen gold-braunen Eulenaugen freundlich an. Er sah die aufgelöste Eulenmutter und seufzte ein ganz klein wenig, und er sah das freche oder bockige oder wütende oder stinkfaule Eulenkind und schmunzelte ein ganz klein wenig.

Dann fragte er: „nun, was ist denn?“

 

Gewöhnlich gab es auf diese Frage ein Durcheinander-Gezeter, dass keiner sein eigenes Wort verstand. Doch der gute weise Eulengroßvater hörte sich das nicht lange an: „nun mal ganz ruhig“, sagte er, und das Gezeter wurde ganz schnell ganz leise und hörte schon im nächsten Moment ganz auf. „Ich denk, du  kannst jetzt in Ruhe heim fliegen“, sagte er dann gewöhnlich zur Eulenmutter, „und dir einen ruhigen Nachmittag machen. Wir kommen dann heute Abend zusammen rüber...“

 

Dann flog die Eulenmutter nach Hause, viel ruhiger, als sie her gekommen war. Dann machte sie sich zu Hause einen ruhigen Eulenmutter-Nachmittag, vielleicht auf einem Seitenast ihres Höhlenbaums, oder bei einem gemütlichen Eulen-Nachbarinnen-Schwätzchen. Bis zum Abend war sie dann fröhlich und guter Dinge und freute sich richtig darauf, dass ihr Eulenkind bald wieder zu ihr nach Hause kommen würde !

 

Der gute weise Eulengroßvater war nun also allein mit dem frechen oder bockigen oder wütenden oder stinkfaulen Eulenkind. Freundlich schaute er es an aus seinen gold-braunen Eulengroßvateraugen und hörte ihm zu. Und so wenig das Eulenkind seiner Mutter erzählt hatte von seinen Sorgen und Nöten, so viel vertraute es jetzt dem guten weisen Eulengroßvater an. Und der Eulengroßvater war nicht ratlos, sondern er lächelte breit und freundlich und sprach zu dem Eulenkind liebe weise Worte. Was sie miteinander sprachen, das hat nie einer erfahren, denn es war nie jemand dabei, und die Eulenkinder haben es nie erzählt. Auch nicht später, als sie groß geworden sind.

 

Zum Abschied tranken sie dann noch einmal gemeinsam von dem guten klaren Wasser aus der Quelle des Lebens. Dann erhoben sie sich gemeinsam in die Luft, umkreisten den Höhlenbaum des guten weisen Eulengroßvaters, machten ein kleines Wettfliegen bis zum Waldrand – bei dem das Eulenkind mal wieder gewonnen hat – und flogen auf dem einen oder anderen Umweg, wie es dem Eulenkind gefiel, bis zu seinem Eulen-Höhlen-zu-Hause.

 

Inzwischen war das kleine oder größere Eulenkind nicht mehr so frech oder bockig oder wütend oder stinkfaul, es war fröhlich und ruhig und freundlich geworden, und es machte ihm nichts mehr aus, seine Hausaufgaben für die Eulenschule zu machen und im Eulensupermarkt einzukaufen, anstatt zu klauen. Gut gelaunt, von der gut gelaunten Eulenmutter empfangen, umarmten sich die beiden und winkten dabei dem guten weisen Eulengroßvater hinterher und sagten zu einander: „wie gut, dass wir so einen guten weisen Eulengroßvater hier in unserem Eulenwald haben!“

 

Der gute weise Eulengroßvater winkte im Vorbeifliegen zurück; dabei schaute er die Eulenmutter und das Eulenkind aus seinen warmen gold-braunen Eulenaugen freundlich an, seufzte ein klein wenig und schmunzelte ein klein wenig. Dann schwang er sich mit seiner großen Eulengroßvaterkraft hoch in die Luft, kreiste über dem Eulenwald, flog über ihn hinaus in die Ferne, einmal hier hin, einmal dort hin, keiner weiß wo...

 

...erst später, an der Quelle des Lebens, da sah man ihn wieder. Die wenigen Eulen, die sich die Mühe des weiteren Weges machten, des klaren Wassers wegen, begrüßten ihn freudig: „na, Eulengroßvater, einen guten Tag gehabt?“ Der gute weise Eulengroßvater seufzte ein ganz klein wenig und schmunzelte breit: „Jaja, einen guten Tag gehabt, und selbst?“

Dann flogen sie alle in Frieden nach Hause in ihre Eulenhöhlen zurück.

 

 

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