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der Himmel auf Erden

                                                                                                                                                                       Mittwoch, 28. Juli 2004 

Ich habe ihn gesehen, vorgestern.

Ich habe den Himmel auf Erden gesehen.

Gottes Wirken, ganz direkt. Liebe. Liebe pur.

 

Es war nicht in der Kirche und in keiner Zeltevangelisation.

Es hatte nichts mit Bibel zu tun und nichts mit Beten.

(Jedenfall sah man nichts davon.)

 

Es war in der Schule, in der ganz normalen Schule am Ort, hier, wo alle normalen Kinder hingehen, deren Eltern nichts Spezielles suchen, kurz vor den Ferien, in der Aula.

 

Dort wurde Herr C. verabschiedet; der stellvertretende Direktor, der die Schule mit aufgebaut hatte, geht mit 64 Jahren nach ca. 15 Dienstjahren in den Ruhestand. Es hatte sich eine große Zahl Lehrer, Elternvertreter, Kommunalpolitiker etc. eingefunden, um ihn offiziell zu verabschieden. Es standen gedeckte Tische so angeordnet, dass man daran sitzen und die "Bühne" gut beobachten konnte.

 

Um 17 Uhr hatte es angefangen.

Jeder hatte damit gerechnet, um 18 Uhr, spätestens 18.30 Uhr nach einigen halbwegs langweiligen Reden nach Hause zum Abendessen zu gehen.

 

Statt dessen bekamen wir über 2 1/2 h ununterbrochen das allerunterhaltsamste Programm geboten, das man sich nur denken kann!

Chöre, Reden, Grusskarten - von der Queen, dem Papst, dem neuen Bundespräsidenten... Tänze, verschiedene Orchester...

Wer Herrn C. noch nicht lange, noch nicht gut kannte, der lernte ihn hier kennen: in allem stand er im Mittelpunkt.

 

Gebürtig aus Kiel, Handballer, war er immer ein sehr guter Lehrer, blieb aber nie lange an einem Ort - bis in Caracas / Südamerika unterrichtete er.

Dann war die Rede von einem Schicksalsschlag.

Was genau passiert ist, davon hörte man nichts.

 

Ich sah seine Frau. Ingrid. Durch sie kam er ins Steinlachtal. Eine "neue Liebe", damals.

Ich sah sie, eine schöne Frau; sie saß genau in meinem Blickfeld, ganz nah.

Sie war immer im Blickkontakt mit ihm.

Nie kontrollierend, immer liebevoll.

Nie gelangweilt, genervt, starr - immer lebendig mit ihm verbunden.

 

Ganz am Ende der Veranstaltung, bevor er zu dem Essen einlud, das er für alle Gäste bestellt hatte, hielt Herr C. selbst eine kleine Rede.

Jetzt, wo ich daran denke, muss ich weinen.

In dieser Rede wandte er sich einmal kurz direkt an seine Frau. Er sprach sie mit Namen an - "Ingrid" - und sagte ihr, dass er es ohne sie damals nicht geschafft hätte; dass sie ihm wieder aufgeholfen habe, damals, sie wisse schon. Er schaute ihr direkt in die Augen und sie ihm. All die vielen Menschen, die freudig so viel aufgeboten hatten, so viel Phantasie, Kreativität, Zeit, sie alle sahen es und hörten zu. Ihr lief eine Träne aus den Augen und ihm auch. Und wenn sie sich nicht sehr gefaßt hätten, wären die Tränen nur so geströmt. Aber das wollten sie hier nicht.

 

Herr C. ist eine großartige Persönlichkeit.

Vor 1/2 Jahr lernte ich ihn kennen, bei einem Elternsprechtag. Nach 5 min erfasste ich, wen ich vor mir hatte. Schon von den Erzählungen meines Jüngsten her hatte ich ihn geschätzt. Nun empfand ich es als Wunder, dass mein Sohn einen solchen Lehrer bekommen hatte: was für eine Chance für mein Kind!

Als er damals erwähnte, dass er nach diesem Schuljahr in den Ruhestand gehen würde, bat ich ihn spontan, wenigstens noch ein Jahr zu bleiben - er lachte.

Die Menschen, die ihn so aufwändig verabschiedeten, vervollständigten meinen damaligen schmalen Eindruck durch vielfältige Geschichten, typische Bemerkungen, bewegende Erlebnisse in unzähligen Bereichen.

 

Von seiner Frau weiß ich nichts als das, was ich an diesem Abend sah und das Wenige, was ich über sie hörte.

Ich sah nicht viel - aber eine Persönlichkeit, die der seinen entsprach, die sah ich.

 

Schon damals bei dem Elternsprechtag hatte ich den Eindruck, dass neben allem anderen eine Unruhe, ein Rastlosigkeit in ihm steckt.

Diese Unruhe hat seine Frau Ingrid nicht. Sie strahlt eine friedliche Ruhe aus, die er aufnimmt. Die er braucht, um sein zu können, der er ist.

Und er weiß es zu schätzen. Weiß SIE zu schätzen. Komplett.

 

Das Erlebnis von vorgestern bewegt mich tief, begleitet mich in den vielfältigen Alltags- und Sommerfest-Situationen seither.

Eben hatte ich erstmals Zeit für mich und Ruhe, mich intensiv damit zu beschäftigen.

So heil sind diese beiden Menschen durch ihre echte Liebe zueinander! Und ganz offensichtlich wirken sie auch heilsam auf ihre Umgebung - woher sonst diese viele Liebe unzähliger Schüler / innen, Eltern, Kollegen?

 

Es ist sehr schön, dass ich das miterleben durfte, diesen Himmel auf Erden, real, vor meinen Augen, in meinem Alltag.

Ich sehe darin das Wirken Gottes. Das gibt es - es gibt Liebe, es gibt sie, echt, real.

 

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