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fiktive Briefe an Jochen und an Justitia

Im Frühjahr 2006 war ich einige Wochen zur Kur. Dort hatte ich Gelegenheit, mich intensiv mit allem auseinandersetzen, was zu Hause wegen der starken "Alltagsfesseln" nicht möglich war.

Diese Auseinandersetzung habe ich geäußert in zwei fiktiven Briefen:
1. an Jochen, "meinen" Betrüger
2. an Justitia, die Göttin der Gerechtigkeit - die mit der Binde vor den Augen

Natürlich habe ich beide Briefe nicht fort geschickt:
einen Brief an Jochen zu schicken, das wäre Unsinn gewesen.
Und Justitia, die kann ja nicht lesen, wegen ihrer Binde vor den Augen; ausserdem gibt es sie wahrscheinlich garnicht. Jedenfalls findet man nirgends eine Adresse. 


Nein, es ging nicht ums Verschicken, sondern um Inhalte, die ich auf dieses Weise optimal verdeutlichen konnte.
Unten sind diese Briefe noch einmal als pdf-Datei zum Herunterladen.

Brief an Jochen


Donnerstag, 18. Mai 2006        14:25 Uhr    überarbeitet am 26. Dezember 2008


Lieber Jochen,

ich habe mir überlegt, dass ich dir einen Brief schreiben will.
Aber schon bei der Anrede merke ich, dass das nicht so einfach wird.
Denn diese einfache, normale Anrede ist natürlich das Gegenteil von dem, wie ich dich erlebt habe und sehe.

Sehr geehrter Herr Wundrack,

das passt ebenso wenig. Ich ehre dich nicht und finde, dir steht überhaupt gar keine Ehre zu. Sogar der Name Wundrack sollte dir entzogen werden: nach Herrn M.  steht er für einen Geschäftshaushalt mit gutem Namen, der bis heute durch dich so sehr beschmutzt wird, dass du in H. gründlich verschwiegen werden musst.

Hallo Jochen von Knorre,

das wäre wohl das aller letzte. Obwohl es das einige Jahre lang gab.

Tja,

eigentlich steht dir gar keine Anrede zu.
So könnte dieser Brief hier eigentlich zu Ende sein.

Aber du lebst noch. In gut 1 ½ Jahren wirst du dich als freier Mensch in Deutschland bewegen und tun, was du immer getan hast: Menschen zerstören, materiell und psychisch, so gründlich wie möglich.

Ich schreibe dir – aber erwarte ich einen Antwort?
Nein.
Eine ehrliche Antwort würde mich interessieren – aber so etwas gibt es nicht bei dir.

Ich schreibe dir trotzdem.
Denn – ich lebe auch noch. Und Leben heißt u.a.: sich äußern.
Ich will mich äußern.

Auch dir gegenüber.
Du bist ein wichtiger Mensch in meinem Leben.

Sehr wichtig !
Du hast es zerstört, und das meiner Kinder, materiell und psychisch.

Während ich das schreibe, merke ich, dass dich das nicht interessiert. Null, nada, riente.
Ach Unsinn – das wußte ich die ganze Zeit, seit Mitte Juni 2003 wußte ich es.

Vorher dachte ich ja noch: mag sein, ich hab mich geirrt – es war nicht die große Liebe, die Situation hat unsere Gefühle „verzerrt“; wir haben uns geirrt, jetzt sollten wir sehen, wie wir wieder auseinander kommen, möglichst anständig, möglichst ohne großen Schaden auf irgend einer Seite.

Sowas ist nicht schön, aber es kommt vor. Ebenso wie die Pleite einer Internefirma in dieser Zeit vorkam – nicht schön, aber na und, Pech gehabt, jetzt muss das Leben anders weiter gehen.

Aber seit Mitte Juni 2003 weiß ich, dass es anders ist; und nach und nach entdeckte ich, WIE anders es ist. Ich habe es verstanden. Ich habe dich durchschaut. Ich habe lange gebraucht – erst nach dem Prozess war es mir klar, also Mitte 2004 – aber seither sehe ich klar.

Und damit komme ich nicht klar,  je länger, desto weniger.

Überall begegnen mir Menschen und Situationen, die mich an dich erinnern..
Das wird dich nicht wundern. Was du mir geboten hast, waren Menschen und Situationen, die es im Leben vielfach gibt.

Liebe, zum Beispiel.
Ich hatte einen Freund. Der liebte mich. Der schrieb mir Gedichte, aus tiefstem Herzen. Schöne Gedichte – vom Inhalt her, und vielfach auch von der Form her.
Wie du damals.

Ja, deine Zerstörung hat nicht Halt gemacht mit deinem Verschwinden im Juni 2003, ebensowenig mit dem Prozess 2004. Du hast sowas wie Atom-Sprengsätze gelegt: sie vergiften auf Jahrhunderte die gesamte Umgebung...

Wie ich die Gedichte meines Freundes nur zum Teil genießen konnte – denn auch du hast mir Gedichte geschickt – so kann ich fast nichts normales im Leben mehr normal erleben. Du bist überall präsent.

Du hast neben mir gelegen und geatmet.
Wenn mein Freund neben mir lag und atmete, zitterte ich am ganzen Körper: das war Teil deiner Taktik, nachts neben mir zu liegen und zu atmen. Teil deines Zerstörungswerks.

Deine Zerstörungstaktik war Leben, normales Leben. Weder unrealistisch paradiesisch noch unerträglich aggressiv. Alles hatte seinen normalen Platz. Schmerzen und Hilfsbereitschaft, Rückzugsbedürfnis, gutes Essen kochen und gemeinsam essen oder auch alleine; mit Benny laufen und ihm Stöcke schmeißen, mit M. ins Restaurant – du warst ein Mensch, in mancher Hinsicht originell, in mancher Hinsicht ein wenig unangenehm – mal fand ich dich etwas prahlerisch, mal auch egoistisch – aber eine Menge Leute um mich herum sind so, und man kann mit ihnen leben. Denn wie sie, so hast auch du deine liebenswerten Seiten gezeigt.

Zum Beispiel dem kleinen E. gegenüber.
Du warst ihm ein Vater.
Bei dir hat er gegessen. Es war so schwierig, ihn zum Essen zu bewegen, und dann bekam er so schlechte Laune: bei dir hat er gegessen, und selbst wenn du tagelang weg warst auf Geschäftsreisen, hat er gegessen. Und auf deine Heimkehr gewartet.

Du hast mit ihm gelacht und geredet. Fussball, Schule, Kameraden; Witze habt ihr gemacht. Du hast dich durchgesetzt, und er hat zähneknirschend gemacht, was du wolltest – er hat dich respektiert, als Vater. ENDLICH hatte er einen Vater ! Wie seine Kameraden! Wie sehr hatte er sich einen Vater gewünscht ! Du weißt es, ich hatte es dir oft geschrieben und du hast es erlebt.

Dies Kind hatte dir sein Herz geschenkt, sein ganzes Herz, weit offen.
Gibt es etwas Kostbareres auf dieser Welt?
Nein.
Da warst du dir mit mir einig.

Das hast du gut gespielt.
Oh ja, du bekommst von mir Note 1 in Alltagsschauspielerei !
Damit tue ich, was ich sehr ungern tue, und doch ist es realistisch:
Ich bestätige dir, dass du weiter machen kannst.

Du wirst weiter machen mit der Zerstörung von Menschen, materiell und psychisch.
Würde ich ein Buch über dich schreiben mitsamt deinem Namen, du würdest es mit dir herumtragen und benutzen. Du würdest es auswändig kennen, zitieren und empört mit allen anderen um dich herum entsetzt sein, dass es sowas gibt – es wäre Sprengstoff in deiner Hand.

Mit oder ohne Buch – es wird dir gelingen.
Du wirst weiter machen, erfolgreicher als je zuvor.
Die Staatsanwältin hat es treffend formuliert: „... im Knast immer dazu gelernt... aber nicht, ehrlich zu sein und zu arbeiten, sondern sein Zerstörungswerk immer besser in der juristischen Grauzone zu halten...“

Sie hat es verstanden. Sie hätte es gerne verhindert. Du hast dich gefreut, dass ihr die Hände gebunden waren. Menschen wie du haben freie Bahn in Deutschland, das weißt du und hast einen guten Berater in deinem Rechts-anwalt. Rechts-verdreher. Bewundernswert, wie es dir gelingt, die richtigen Komplizen um dich zu scharen, die dich bewundern und dir zuarbeiten – auf Computer-, juristischer und was weiß ich noch welcher Ebene.

Du bist der bessere Jurist; niemand sass so cool im Gerichtssaal wie du. Du bist der bessere Psychologe – niemand kennt Menschen so gut wie du. Du bist ein Super-Schauspieler: hättest du dein Talent vor die Kamera oder auf die Bühne verlegt, wäre eine Rühmann-Karriere draus geworden.

Aber das war dir zu wenig. Zu langweilig, schätze ich. Einfach nur Geld verdienen – okay, Geld gehört dazu, und zwar reichlich – aber nur Geld allein, das ist dir viel zu langweilig.

Menschen müssen zerstört werden, darauf kommt es an. Persönlichkeiten, Beziehungen. Leiden sollen sie. Lange. Einsam. Je besser dir das gelingt, desto zufriedener bist du mit dir selbst.

Nun, du kannst dich freuen – du bist sicher längst mitten drin in den nächsten Zerstörungswerken und sie werden dir gelingen. Noch läuft es etwas schleppend an, das hat die Knast-Situation so an sich; aber wenn ich an R. denke, ist mir klar, dass auch diese Zeit ihren Reiz besitzt und du sie gut zu nutzen weißt.

Um dich muss man sich wirklich keine Sorgen machen.
Das wäre auch nicht der Grund, warum ich an dich schreibe.
Im Gegenteil.

Ich denke darüber nach, wie ich dir schaden könnte.

Das will ich doch etwas näher erklären.
Als du weg warst, damals, im Juni 2003, da hätte ich kein Problem damit gehabt, wenn du einfach irgend wo eine andere Frau gehabt hättest. Mit weniger oder einfacheren Kindern; mit mehr Geld; schlanker, schöner, lustiger... halt ein wenig anders als ich... ich hätte kein Problem damit gehabt, wenn du lieber in München gelebt hättest als in G., deine Tage lieber ohne mich zugebracht hättest als mit mir – kurz, wenn du dein Leben lieber ohne mich weiter gelebt hättest.

Kein Problem ist falsch. Natürlich wäre es nicht leicht  gewesen. Aber es wäre etwas NORMAL-Schweres gewesen. Ich hätte es ausgehalten, verarbeitet und wäre drüber weg gekommen. Es hätte nicht mein Leben zerstört, nein, ganz und garnicht.

Aber die Tatsache zu erkennen, dass du vor dem aller ersten Kontakt zu mir das alles geplant und geziehlt durchgeführt hast, konsequent und fleißig durchgezogen – das hat mich kaputt gemacht wie meinen E. und die anderen. Nicht nur meine Kinder. Auch meine Eltern, und viele viele Leute um mich – M., R., meine Schwägerin... ja, dein Zerstörungswerk ist enorm: sicher freut es dich, das zu erfahren !

Oder – wahrscheinlich ist es dir selbstverständlich. Du weißt, dass du gut bist. Du brauchst mich nicht, um das zu wissen. Du willst höher hinaus. Weiter machen. Mehr erreichen.

Wozu soll ich dir also erzählen, WIE kaputt ich bin. Dass ich keine Nacht mehr schlafe, entspannt, ruhig. Dass ich wach liege, voller Angst, Panik, und weine und weine und weine. Du wirst es genießen, das zu lesen.

Oder E.. Er ist jetzt 13. Kein normaler Teenager. Schule, Betreuer – alle sind immer wieder ratlos. Schulwechsel. Er spielt kein  Fussball mehr ! E., der gekickt hat, seit er laufen konnte, spielt nicht mehr Fussball. Ja, sogar das hast du geschafft, zu zerstören. Aber noch viel viel mehr. Auch E. kann nicht mehr schlafen. Ständig hat er Tränen in den Augen. Natürlich ist das nichts für einen Jungen in seinem Alter. Darum wird er ständig extrem aggressiv. Verschließt sich nach allen Seiten. Ratlosigkeit aller Orten.

Wirklich enorm, was Vertrauen bewirken kann. Hier, so sorgfältig missbraucht, kann man zuschauen... du hast ihn nicht sexuell belästigt; du hast ihn nicht bestohlen, sondern beschenkt; du hast ihn nicht vernachlässigt: du hast mit ihm gekickt, mit ihm gegessen, ihm ein schönes Zimmer eingerichtet samt Computer, hast sogar seine kleine Mannschaft trainiert und bist mit ihm nach München ins Stadion gefahren...

So gut wie der beste Pädagoge, der beste Sozialarbeiter weißt du, dass Vertrauen die Grundlage menschlichen Zusammenlebens ist, geschäftlich und privat, nach wie vor, und dass es niemals wird anders sein können. Du hast Vertrauen gebildet und erhalten.

Nun tue ich etwas, was ich nicht will. Ich tue sogar das Gegenteil von dem, was ich will.
Ich will dir schaden, doch ich ermutige dich.

So geht es mir mit allem, seit ich dich kenne bzw. seit ich weiß, wer du wirklich bist.
Mit allem im Leben. Mit dem ganzen Leben geht es mir so.

Diese Zerstörung, die du angerichtet hast, ist unerträglich. Da heilt die Zeit keine Wunden. Im Gegenteil – wie bei Überlebenden aus Atombombengebieten, bilden sich immer neue Krebsgeschwüre, eitern; der Körper wird vergiftet und verseucht. Ärzte können ein wenig lindern, ein paar Symptome behandeln – aber der Mensch wünscht, die Bombe hätte ihn direkt getroffen. Dann wäre er jetzt einfach nicht mehr da. Denn sein Leiden ist zu groß und wird täglich größer.

Diese Zerstörung hast du angerichtet. Du verkörperst sie. Darum will ich dich zerstören: „ich oder du“!
Ein Teufel bist du. Keine Kinder-Kasperl-Theater-Puppe, sondern ein echter Satan, zum Fürchten, so sehr ein Mensch sich nur fürchten kann – der sich als „Engel des Lichts“ verstellt, wie es in der Bibel heißt.  Ein „schwarzes Loch“  bist du, das alles schluckt und nichts wieder heraus gibt.

Mein Entsetzen ist deine Freude.
Du willst dich noch mehr freuen, noch intensiver!
Und – ich wiederhole mich – es wird dir gelingen; mit Sicherheit bist du längst, längst mitten drin.

Und ich fühle mich hilflos. Resigniert. Ich kann dir nicht schaden.

Ich könnte Selbstjustiz üben.
Aber damit mache ich mich strafbar.
Das war nie „mein Ding“.

Und die sogenannte „Gerechtigkeit“, die deutsche Justiz, ist auf deiner Seite.
Sie hatte kein Interesse an dir.
Widerstrebend haben sie sich ein wenig um dich gekümmert, um einem gewissen Öffentlichkeitsdruck nachzugeben – aber nicht nur halb-, sondern zehntel-herzig...

Solche wie du, finden sie, sind okay. Es darf sie geben.
Ganz offiziell darfst du machen, was du machst.
Du darfst eine Frau heiraten, die den liebt, den du spielst.
Dann darfst du sie ruinieren, materiell und psychisch, samt ihren Kindern und ihren Eltern...
Du hast starke Komplizen, Jochen –  das weißt du.
Darum fühlst du dich sicher.
Und ich nicht.

Und damit bin ich am Ende.
Am Ende des Briefes weil am Ende mit dem, was zu sagen ist.
Jetzt kommt wieder das Schweigen.
Das Schweigen der Toten.
Die zwar noch am Leben, aber innerlich tot ist.
Deren Vertrauensfähigkeit zerstört ist, ohne die es keine Beziehungen gibt;
Und ohne Beziehungen gibt es kein lebenswertes Leben.

Resignation.
Jeder weiß, dass Resignation das Schlimmste ist.
Dahin hast du uns gebracht, mich und meine Kinder.

Ja dann –
Bleibt mir nur,
dir alles Schlechte zu wünschen,
dir und deinen Komplizen und allen deines Gleichen:

ich wünsche euch Krankheiten und Unglück jeglicher Art. Ich wünsche euch Feinde und Pech und Schwefel. Ich wünsche euch, dass ihr belogen und betrogen werdet, mehr als ihr es von den schlimmsten Lügnern und Betrügern um euch erwartet; ich wünsche euch, dass ihr zusammengeschlagen, gequält, gefoltert und ausgeraubt werdet. Ich wünsche euch, dass ihr überfallen werdet, dass sie euch die Gliedmassen brechen, die inneren Organe zertreten und eure Schädel zertrümmern.

Das alles wäre nur gerecht.
Und ein Schutz für Leute wie mich.
Die ehrlich sind und arbeiten und überlegen, wie sie für ihre Kinder und ihre gesamte Umgebung vertrauenswürdig sein können, besonders für ihren Ehemann; wie sie jedem, mit dem sie zu tun haben, gerecht werden können; wie sie darüber hinaus noch ein wenig Gutes tun können auf der Welt – hungernden Kindern oder vergewaltigten Bosnierinnen oder Erdbebenopfern.

Denn eigentlich will ich leben.
Und eigentlich finde ich, Leute wie ich sollten leben.
Nicht resignieren.

Und eigentlich sollten Leute wie ich geschützt sein vor Leuten wie dir.
Und da wir das nicht sind, wünsche ich dir all dies Schlechte.

Du weißt besser als ich, dass ich mich sehr unwohl fühle, indem ich dir all dies Schlechte wünsche.
Du weißt, dass ich Mitleid mit dir hätte, wenn du lebenslang im Gefängnis sein müsstest.
Dass ich überlegen würde, ob ich dich nicht doch mal besuche, weil du so einsam bist: bräuchte ich keine Angst vor dir zu haben, würde ich dir Chancen geben. Chancen auf Kontakt, Chancen auf Einsicht...

...da lachst du! Ein hässliches, böses, verächtliches Lachen.
Ja, du hast Recht.
Jemandem wie dir so menschlich zu begegnen, das wäre pure Dummheit.

Ja, DAS habe ich gelernt.
Ich habe viel durch dich gelernt, Jochen.
Vor allem, dass es BOSHEIT  gibt.
Echte, pure, finsterste Bosheit.
Das habe ich so vorher nie gewußt.
Obwohl ich keine einfache Kindheit hatte und 17 Jahre lang Opfer massiver häuslicher Gewalt war: überall hatten Menschen einfach nur ihre menschlichen Schwächen; man litt untereinander, manchmal hielt man es  nur mühsam miteinander aus oder verließ das Haus, für Stunden oder Wochen oder Jahre – aber man wußte immer: der andere meint es eigentlich nicht böse, er kann nur nicht aus seiner Haut. Daran konnte man immer neu anknüpfen, immer wieder. Man hat einander sogar geholfen, so gut man nur konnte.

Ja, so viel Schweres ich auch kannte, so viel Problematisches und Bedrückendes – diese pure Bosheit war mir neu.
Und mir graut davor.
Vor allem, weil der deutsche Staat, die deutsche Justiz auf deiner Seite ist.

Zum endgültigen Abschluss dieses Briefes bestätige ich noch einmal alle meine schlechten Wünsche.
Wohl wissend, dass sie eher nicht in Erfüllung gehen werden.
Im Gegenteil – du wirst Gelingen haben.

Aber einen Abschiedsgruss bist du nicht wert.


Brief an Justitia




Montag, 22.Mai 2006                              überarbeitet am 26. Dezember 2008


Liebe Justitia,                                                                          

mancherorts sieht man dich mit der Binde über den Augen und der Waage in der Hand. Das soll bedeuten, so hat man mir erklärt, dass du „ohne Ansehen der Person“ die Taten wägst und für Recht sorgst.

Ich hatte mit deinen deutschen Vertretern zu tun.
Ich frage mich, ob du weißt, wie sie sind.
Wenn ja, frage ich mich, wie du dazu stehst.

Soll ich es dir mal erzählen?
Oder bedeutet deine Binde in Wahrheit ganz etwas anderes – dass du nämlich lieber gar nicht hinschaust? Dich überhaupt nicht interessierst?

Das befürchte ich.
Trotzdem drängt es mich.
Meine Sprachlosigkeit erstickt mich: es muss raus, damit ich wieder atmen kann!
Vielleicht  nur einen Atemzug – aber wenigstens den möchte ich erleben!

Du weiß alles?
Du weißt, wer ich bin und wie ich bin?

Dann weißt du, dass ich in aller erster Linie Mutter bin. Ich bin Mutter mit Leib und Seele. Mehr als alles andere identifiziere ich mich mit meiner Mutterrolle. Auch in meinem Beruf steht dies an erster Stelle – als Hebamme setze ich fort, was ich zu Hause anfange. Mich treibt die Verantwortung für die  Menschen in meiner Umgebung, je näher, desto stärker.

Des weiteren bin ich – wie soll ich sagen – Seelsorgerin oder Psychotherapeutin oder so: schon immer, ich glaube: bevor ich denken kann, lag mir am Wohl der Menschen um mich, auch über meine Familie hinaus. Ich hatte Interesse daran, das Leben und die Menschen kennen zu lernen, um möglichst GUT damit umzugehen – möglichst kreativ, konstruktiv, produktiv; möglichst wenig hinderlich, störend, zerstörerisch. Inzwischen habe ich viel gelernt und nach menschlichen Massstäben so etwas wie Weisheit entwickelt. Oh, ich weiß, dass das wenig nützt, besonders, wenn man gerne glücklich wäre (was ich von mir sagen kann), aber warum soll ich es verschweigen oder verdrehen. Es ist so.

Hiermit habe ich mich dir noch einmal vorgestellt.
Ist etwas Schlechtes an mir, etwas Vernichtenswürdiges?

Ich finde: nein.
Ich finde, ein Mensch wie ich hat Lebensrecht.
Ein Recht darauf, zu essen, zu trinken und zu tanken. Ein Recht auf Respekt, auf menschenwürdige Behandlung, auf Höflichkeit und Freundlichkeit und, warum nicht, auch auf Liebe und Vertrauen.

Doch dieses Recht – höre bitte zu – haben mir deine deutschen Vertreter entzogen.

Leider kann ich nicht sehen, ob du dich mit verschlossener Miene zur Seite drehst oder mit gewissem Interesse mir zuwendest, um mehr zu hören.
Es ist auch nicht wirklich von Bedeutung. Denn ich stecke in einer so tiefen Resignation, dass die einzige Möglichkeit, die nächsten Stunden zu überleben, die ist, dass ich mich äußere, und zwar dir gegenüber, also tue ich es.

Wer gehört alles zu dir? Wer von den vielen Menschen, mit denen ich zu tun hatte?
Die G.´er Dorfpolizisten. Die K´er Staatsanwälte. Der Gerichtsvollzieher. Der Bewährungshelfer. Die K´er Kriminalpolizei. Die deutsche  Gerichtshilfe. Die Pfändungsstelle. Die K´er Richter. Und noch mehr Richter und Staatsanwälte aller Schichten aus Deutschland. Mit all diesen hatte ich zu tun in den vergangenen 3 Jahren.

Und nun will ich dir erzählen, was ich erlebt habe und wie sie mit mir umgegangen sind.

Ich gehe mal davon aus, dass du weißt, was ein Betrug ist.
Du weißt, wie ein Betrüger betrügt, oder?
Ganz kurz, zur Erinnerung:
Ein Betrüger ist ein Schauspieler, der nicht auf der Bühne oder vor der Kamera spielt, sondern im realen Leben. Je besser er spielt, desto größer der Schaden, den es ihm gelingt, anzurichten.
Ein Betrüger ist ein besserer Jurist als alle deine Mitarbeiter – sorry, aber so habe ich es erlebt. Er kennt die Gesetze besser und weiß, wie er großen Schaden anrichten kann, ohne dass deine Leute – die GUTEN, die es gerne täten! – etwas gegen ihn unternehmen können.
Ein Betrüger ist der bessere Psychologe – er hat dafür gesorgt, dass Psychologen ihn nicht kennen; er ist der bessere Sozialarbeiter mit seinen vertrauensbildenden und vertrauenserhaltenden Massnahmen; er ist der bessere Therapeut, dem Menschen sich anvertrauen.
All diese Fähigkeiten nutzt der Betrüger, um seine sadistischen Gelüste zu verstecken wie unter einem „Unsichtbarkeitsmantel“ und, derart getarnt, ein atombombenähnliches Zerstörungswerk genüsslich mit aller Zeit der Welt in Ruhe vorzubereiten und, sieht er die Zeit gekommen, „die Bombe zu  zünden“.

Da du, oh Justitia, existierst, seit es Menschen gibt auf dieser Erde, und da es Betrüger gibt seit der selben Zeit, gehe ich davon aus, dass es überflüssig war, dich daran zu erinnern. Dennoch tat ich es: mag sein, ich  habe ein wichtiges Detail vergessen. Dann hast du hiermit Gelegenheit, mich zu korrigieren. Ich lerne gerne dazu, weißt du.

Mit den Einzelheiten meines Betrugs brauche ich dich, glaube ich, nicht zu belästigen. Es war ein typischer Betrug, sehr gut gemacht. Neben mir gab es viele weitere Opfer, wie schon vor mir und, da weder du noch deine deutschen Mitarbeiter etwas dagegen unternehmen werden, wird es noch viele viele weiter Opfer geben, in naher und ferner Zukunft.

Sicher hatte er seine besonderen Eigenarten – aus der Ferne kam er besser an als aus der Nähe – Briefe, Telefon, mail und chat waren seine bevorzugten Kontaktmittel. In der Nähe war es das gute Essen, das er kochte bzw. im Restaurant dazu einlud. Er konnte Witz und Wissen, Charme und Hilfsbereitschaft spielen lassen, und unter ihm erklangen noch viele andere wohlklingende Töne auf manch anderem Instrument – bildlich gesprochen.

Aber das alles war nur seine spezielle Verpackung: der Inhalt war der übliche stinkende, höllische, grauenerregende wie bei allen anderen Betrügern auch.

Wieder nur kurz, da auch an dieser Stelle nur von untergeordneter Bedeutung: Ich besaß einmal ein schuldenfreies Haus. Das ist weg; ich bin insolvent und gepfändet und habe so wenig Geld im Portemonnaie, dass der Hund nicht krank werden darf und eine Autoreperatur eine Katastrofe darstellt. Trotz sehr sparsamen Lebens, wohlgemerkt. ("Hartz IV-Grenze“ ist das Stichwort)

Schlimmer als dieser materielle Schaden, weshalb ich es explizit anspreche, ist der Schaden unserer Seelen. Oh Justitia, nimm deine Binde von deinen Augen und wenden deinen Blick hin zu meinen Kindern. Ganz besonders richte dein Augenmerk auf den Jüngsten. Er war 10, als der Betrug aufflog, jetzt ist er 13. Sieh ihn an. Und höre mir zu!
Als der Betrug aufflog, war der Junge im Schock. Und er ist nie daraus erwacht. Er lebt seither im Schock, innerlich erstarrt, tot bei lebendigem Leibe, völlig unfähig, Menschen und diesem Leben irgend etwas Gutes zuzutrauen. Ständig hat er Tränen in den Augen, und um diese zu besiegen, wird er gewalttätig wie sein leiblicher Vater es gewesen ist, wovor er schon als Kleinkind gezittert hat.
Er hatte den Betrüger als Vater angenommen. Er hat ihm sein ganzes kindliches Vertrauen geschenkt, sein Herz war weit offen – und ich frage dich, Justitia, als Mutter, als Hebamme, als Psychotherapeutin:
Gibt es etwas Kostbareres aus dieser Welt?

Sag lieber nichts – es könnte etwas Gegenteiliges sein, und das würde ich nicht verkraften.
ICH sage: es gibt nichts  n i c h t s  NICHTS  Kostbareres auf dieser Welt!

Der Stiefvater, dieser Betrüger, er schlug den Jungen nicht, misshandelte ihn nicht, verging sich nicht sexuell an ihm.
Er wandte sich ihm freundlich zu. Er ass mit ihm, regelmäßig. Er sprach mit ihm und hörte ihm zu. Er schenkte ihm Kleinigkeiten wie Bälle oder einen Euro für ein Eis. Er war streng mit ihm, damit er für die Schule lernte und dergleichen, und mein Junge hörte auf ihn: er achtete ihn als seinen Vater. Der kickte mit ihm und trainierte sogar die „kleine Mannschaft“, und als er dies aus geschäftlichen Gründen nicht mehr konnte, fuhr er, wann irgend möglich, mit ihm zu den Spielen und Turnieren.

Oh Justitia mit dem ungerührten Blick unter der Binde.
Wie kannst du NICHT deine Binde abnehmen und Tränen vergiessen angesichts meines Sohnes, dessen Herz zerbrach, als er erfasste, wer ihn da wie benutzt hat...

Und auch er verstand, was ich erlebte, anschließend, mit deinen Mitarbeitern, deinen Vertretern in Deutschland.

Zuerst einmal warfen sie mir (fast) einmütig vor, ich sei schuld an diesem Zerstörungswerk.

Das musst du einmal auf dich wirken lassen, glaube ich:
Meine Kinder und ich sind zerstört, materiell und psychisch. Schlimmer als nach einem Raubüberfall im eigenen Schlafzimmer samt Vergewaltigung.

Und ich – ICH – soll daran die Schuld tragen.

Du hast es gehört? Du hast es verstanden?
Gut.
Dann höre weiter.

In der Hilflosigkeit des Opfers waren meine Ohren weit offen, etwas aus fachwissendem Munde zu hören, woraus ich lernen konnte.
Ich  hörte, dass ich schuld wäre, weil ich

-    in Wahrheit selbst eine Betrügerin sei. Zu 50% oder gar zu 80% , also als Komplizin oder gar als treibende Kraft, hätte ich dies Zerstörungswerk gewollt, ich selbst. Und nun, als das alles aufflog, wolle ich diese Tatsache vertuschen, indem ich „solch einen Wirbel“ machte. Bis heute verstumme ich angesichts dieser Sichtweise.

-    Ich solle selbst schuld sein, weil ich vertraut hatte. Ich hätte mehr, gründlicher, praktisch das gesamte Leben meines Ehemannes kontrollieren müssen. Zumindest hätte meine Liebe beim Geld aufhören müssen: „man leiht nicht – man teilt nicht – man gibt nicht“.


Ach Justitia.
Ja, ich habe mir das alles angehört.
Ach Justitia, wie schuldig fühlte ich mich wegen dieser beider Vergehen.
Stand doch meine Welt Kopf  im Sommer 2003, so dass ich selbst nicht mehr wußte, wer ich eigentlich bin.
Und erst jetzt, im Sommer 2006, fange ich an, mich selbst wieder zu finden. Entdecke mich neu, Stück für Stück.

Erst jetzt realisiere ich, dass diese Schuldzuweisungen absolut widersprüchlich sind, oder?
Im zweiten Fall kann ich doch unmöglich die selbe Person sein wie im ersten, oder?

Die vergangenen 3 Jahre habe ich mit den Lehren deiner Leute gelebt. In der Familie, bei der Arbeit, bei Freunden, in Geschäften, beim Zeitungslesen usw. – wo immer Menschen mit anderen Menschen zusammen sind, habe ich diese Lehren in mir getragen und mit der menschlichen Realität verglichen.

Und jetzt muss ich sagen – sorry nochmal – nimm es nicht persönlich – aber:
Es ist Quatsch.

Einfach Quatsch.

Ich sage es ungern.
Bis 2003 dachte ich: die Justiz ist ein menschliches System voller Menschen. Menschen wie ich, die ihre Arbeit so gut wie möglich machen, verantwortlich, lernwillig. Menschen wie ich, mal überlastet, mit Schwächen, auch Fehlern – aber offen, dazu zu stehen, sich zu entschuldigen, Schaden wieder gut zu machen (wo möglich) und die es im Grunde gut meinen.

Nun, ich habe solche Menschen getroffen in deinem System. Da war die K´er Kriminalkommissarin, die heiratete, während sie „meinen Fall“ bearbeitete, und ein Baby hatte, als sie im Jahr drauf vor Gericht ihre Aussage machte.
Da war der Leiter der deutschen Gerichtshilfe, ein Licht in dieser finsteren deutschen Juristenlandschaft – leider recht einsam auf weiter Flur.
Und da war die K´er Staatsanwältin. Eine großartige Frau, so erlebte ich sie, die dann alle 3 Prozesstage leitete – obwohl irgend wer es ursprünglich anders geplant hatte – worüber ich so froh war, weil es mir wie ein Wunder war.

Noch ein paar wenige solcher Menschen waren dazwischen, Justitia, doch weißt du, der Staatsanwältin waren die Hände gebunden. Die Gesetzeslage oder was weiß ich erlaubten ihr nicht, den Zerstörer aus dem Verkehr zu ziehen, wie sie es für notwendig erkannt hatte und anscheinend auch der Richter.

Gesetze, Rechtslage und die meisten deiner deutschen Vertreter – Justitia, sie alle gaben ihm Recht. Der Betrüger, so erklärte mir Herr Hering, sieht es so: „wer auf mich reinfällt, ist dumm. Seine Dummheit muss bestraft werden. Es ist MEIN Job, diese Dummheit zu bestrafen“. Diese Sichtweise ist logisch in den Augen des Betrügers, schlüssig in sich.

Und ebenso sahen sie es, die sich nach dir benennen. Ganz genau so.
Ich sei dumm. Diese Dummheit gehöre bestraft. Ich  hätte verdient, was ich erlebe. Siehe oben.
(wo nicht der andere Vorwurf im Raum stand. Manchmal standen beide Vorwürfe direkt nebeneinander, ineinander verwoben, ohne dass sie merkten, dass sie nicht miteinander vereinbar sind sondern einander abstoßen wie Öl und Wasser.)

Und jetzt, oh Justitia, so du mir denn zugehört hast, was ich nicht erwarte – doch ich rede dennoch – falls dich interessiert, was ich meine, und wenn du überhaupt verstehst, worum es hier geht:

Urteile, Justitia, ob es in deinem Sinn ist, was hier geschieht.

War es Gerechtigkeit, die dem Betrüger und mir widerfahren ist?
Konnte ich den Opferfrieden erleben, ohne den es mir unmöglich ist, zur Tagesordnung überzugehen, wie schon deine Studenten im ersten Semester lernen?

Oh, ich vergaß – er bekam 3 Monate Gefängnis für alles, was er uns angetan hat;
Die Münchener Staatsanwälte stellten alles ein, was gegen ihn in München vorlag, und dort ging es um Millionenschäden oder wenigstens Hunderttausende, und um Betrugsopfer, deren Existenzen ruiniert waren, die vor deinen Gerichten erscheinen mussten als Angeklagte und dort rechtskräftig verurteilt wurden für Delikte, die er begangen hatte.
Nur für die 150.000 Euro Schwarzgeld des Unternehmers S. bekam er eine Strafe. 4 Jahre Knast, die er Anfang 2008 abgesessen haben wird. (Der Herr S. fährt die selben teuren Autos wie zuvor und hat meines Wissens nicht einmal weniger Urlaub gemacht.)

Worum geht’s in Deutschland, Justitia?
Geht es hier um Gerechtigkeit? Um Opferfrieden? Um Menschen?

Urteile selbst, Justitia:
ICH habe das Gegenteil erlebt.
ICH habe deine Vertreter in Deutschland, deine Mitarbeiter, die deinen Platz einnehmen, nicht gerecht erlebt.
ICH habe sie erlebt wie den verlängerten Arm des Betrügers selbst.
MIR kommt es so vor, als ob sie ein System errichtet hätten, das auf Betrug basiert und dessen Hauptstrukturen aus Betrug bestehen.

Es hat Lücken, dieses System. Weil Menschen es errichtet haben, und Menschen sind nicht vollkommen, nicht einmal die Deutschen in ihrer Gründlichkeit (die auch nicht mehr ist, was sie mal war)
Diese Lücken sind die kleinen Chancen für die verantwortlichen Einzelgänger in diesem System – die Staatsanwältin, der Leiter der Gerichtshilfe, die Kriminalkommissarin: dank der Lücken haben sie Spielräume, zumindest ein wenig Richtiges zu sagen, sind ihnen auch die Hände gebunden, tatsächlich für Gerechtigkeit zu sorgen.

So.
Ich habe gesprochen.
Ich glaube, mehr ist nicht möglich und nicht nötig.

Nun wäre ich gespannt, ob du zugehört hast. Ob es dich interessiert hat. Wie du darüber denkst.

Doch längst hast du wieder deine Binde über deinen Augen; dein Gesicht zeigt, wie gewohnt, diesen gleichmütigen undurchsichtigen Ausdruck...
Falls du die Binde überhaupt einmal abgenommen hast, zwischendurch, während ich mit dir sprach. Ich war so aufgeregt beim Erzählen, dass ich dich nicht beobachten konnte.

Es ist raus.
Jetzt verstumme ich wieder.
Ohne zu wissen, wie du nun zu dem allen stehst.
Ich kehre zurück in die Wirrnisse der deutschen Zivilisation und ihrer Justiz und versuche, darin ein Leben zu führen, wie es mir entspricht – in Liebe, in Vertrauen und – ja – nach wie vor in Gerechtigkeit.

Ob du es weißt oder nicht, ob es dich interessiert oder nicht – ich will es noch loswerden, als Nachsatz – du warst mir immer wichtig, Justitia. Eins meiner Bemühen war immer, meinen Mitmenschen gerecht zu werden und ihnen nichts vorzuenthalten, was ihnen zusteht. (Wenn ich auch, wie gesagt, menschliche Grenzen und Schwächen und Lücken und Fehler aufweise.) Und ob es deinen Vertretern passt oder nicht, ob sie es mir abnehmen oder nicht – ich kann mich in diesem Punkt nicht ändern, dazu bin ich zu alt. Und ich will es auch nicht.

In wie weit ich damit werde leben können, wird sich zeigen.

Solltest du mir wohlwollend  zugehört haben, Justitia, wünsche ich dir zum Abschied alles Gute. Dass du dich mit deinen Werten und Massstäben durchsetzen wirst, auf Dauer, auch in Deutschland.

Solltest du dagegen zu diesem System stehen, wie ich es erlebt habe, dann kannst du mir den Buckel runter rutschen.


P.S.                                 31.05.06

Entschuldige bitte, Justitia, dass ich meinen Brief an dich so abrupt abbrach, ohne Gruß und gute Wünsche.

Nachdem ich mich an dich gewandt hatte, sprach ich mit einer Freundin darüber.
Sie erzählte mir (was ich bisher nicht wußte, es war nie von Belang), dass sie einmal ein paar Semester Jura studiert hatte. Sie hat es dann wieder gelassen.

Sie erzählte mir, dass sie schon zu Beginn  hörte – von einem Professor! – dass „RECHT und GErechtIGKEIT einzig diese 5 Buchstaben gemein hätten; wer einen Sinn für Gerechtigkeit hätte, der würde schon vor Abschluss des Studiums das große Kotzen kriegen und wünschen, er hätte was anderes angefangen.
Diese Freundin kennt ein paar Juristen, die nur darauf zu leben, ihr Gewerbe endlich an den Nagel hängen zu können. Aus Altersgründen, oder weil sie inzwischen auch auf anderem Weg an ihr täglich Brot kommen.

Also, Justitia, entschuldige – anscheinend bist du also gar nicht zuständig für meine Anliegen.
Ich dachte es halt immer; ich muss mich geirrt haben.

Also nichts für ungut nochmal,
diesmal alles Gute,
mit den besten Wünschen und herzlichen Grüßen !


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  115 k v. 1 02.03.2009, 03:56 Hedwig v. Knorre
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  114 k v. 1 02.03.2009, 04:01 Hedwig v. Knorre
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