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Rundmails 2010-2012

Inhalt

    Keine Überschrift.

    20.10.2012
    zwei Zeitungsartikel über Betrug


    Liebe Verwandte, liebe Freunde,
    liebe interessierte Leser meiner Betrugsopferrundmails,

    folgender Artikel aus der "Süddeutschen online" ist lesenswert. Vorab: ich finde den Vorfall selbst keineswegs ungewöhnlich, denn ich weiß inzwischen, wie oft Ähnliches geschieht. Ungewöhnlich finde ich die klare Sicht von Psychologe, Staatsanwalt und Richter, darum habe ich deren Aussagen fett markiert. Die Darstellung des Verteidigers dagegen habe ich kursiv markiert: dessen Verdrehung der Tatsachen wird nach meiner Erfahrung meist zur Haupt-Sichtweise des Geschehens! Öffentlichkeit, Medien und Angehörige der Justiz wirken von dieser Sicht "infiziert" und vertreten manchmal diese falsche Position oder sind zumindest stark verunsichert und darum nicht zu einem klaren Urteil fähig.
    Hier der Artikel:

    Gerichtsposse in Frankreich

    Wie Reinigungskraft Thierry T. eine Adelsfamilie um ihr Vermögen brachte
    06.10.2012, 13:37  von Stefan Ulrich, Bordeaux

    Ein Anwalt der Opferfamilie bezeichnet den Angeklagten als "Leonardo da Vinci der mentalen Manipulation". Die Reinigungskraft Thierry T. schaffte es, zum Guru eines elfköpfigen Hugenotten-Clans zu werden. Die Familie zehn Jahre lang in ihrem Schloss einzusperren - und damit Millionen zu machen.

    Die Geschichte klingt nach einem Märchen, wenn auch nach einem monströsen: Es war einmal eine reiche Familie aus altem hugenottischen Adel. Die lebte in einem Schloss in Südwestfrankreich nahe dem Städtchen Monflanquin. Eines Tages tauchte ein junger Mann namens Thierry T. auf. Er wurde als Chef einer Reinigungsfirma von einer Frau aus dem Adelsgeschlecht beauftragt. Bald begann er, Gehirne zu waschen.

    Großmutter, Kinder und Enkel - insgesamt elf Menschen - gerieten in seinen Bann und wurden allmählich zu Gefangenen im eigenen Haus. Angst und Paranoia überwucherten den Adelssitz wie einst die Ranken das Schloss Dornröschens. Als die Familie, nach fast zehn Jahren, aus ihrem Albtraum erwachte, war sie ruiniert.
    Nun muss sich das Landgericht von Bordeaux mit dem bizarren Fall befassen. Dort ist der heute 48 Jahre alte Thierry T. wegen Freiheitsberaubung und Ausbeutung psychisch Abhängiger angeklagt. Immobilien, Geld, Schmuck und Möbel im Gesamtwert von schätzungsweise 4,6 Millionen Euro soll er der Familie V. nach und nach abgeschwatzt haben. Der Staatsanwalt sagt, Thierry T. habe die Schlossbesitzer wie ein Vampir ausgesaugt.

    2001 war die feindliche Übernahme der Familie gelungen
    Dabei wirkt der schmächtige Mann mit der randlosen Brille im jungenhaften Gesicht weder wie ein Blutsauger noch wie ein Guru. Er selbst stellt sich allerdings als eine Art Übermensch dar.
    Von den Habsburgern stamme er ab, und schon im Alter von zwölf Jahren sei er aus einer Transall abgesprungen und habe ein Fallschirmspringerabzeichen erhalten. Später hätte er Tennis- oder Fußballprofi werden können. Doch er erwarb lieber zahlreiche Diplome, unter anderem in Jura und Marketing, wirkte für die Vereinten Nationen und die Nato und verdingte sich als Geheimagent, wobei er ein Vermögen verdiente.
    Die Vorsitzende Richterin bezweifelt all das. T. stieß 1999 auf die Familie V. in ihrem Schloss. Intelligent, beredt und psychologisch geschickt, wie er war, gewann er bald das Vertrauen der Adelsfamilie. Laut der Anklage erhob sich Thierry T. zu ihrem Strategie-, Vermögens- und Lebensberater. Und er verstand es, den Clan von sich abhängig zu machen. 2001 soll er ihn bereits beherrscht haben. Die feindliche Übernahme der Familie V. war gelungen.
    Relativ schnell, so rekonstruierte die Staatsanwaltschaft, rückte Thierry T. mit einem angeblichen Geheimnis heraus. Er redete der Familie V. ein, sie werde von einer Verschwörung bedroht, hinter der - die Mischung macht's - Freimaurer, Pädophile und Rosenkreuzer steckten. Er, Thierry T., werde das Adelsgeschlecht retten. Die V.'s sollten sich seinen Anordnungen unterwerfen, so wenig Kontakt wie möglich mit anderen Menschen pflegen und sich in ihrem Schloss einigeln. Er werde ihr Vermögen in Sicherheit bringen.
    Die Familie V. - und nun wird es wirklich märchenhaft - glaubte dem großen Manipulator. Und sie folgte ihm. "Wir lebten in einer totalen Paranoia, mit einer Art Psycho-Pistole an der Schläfe", beschrieb es die Zeugin Diane V. jetzt im Prozess. Eine andere Familienangehörige sagte: "Thierry T. hat uns in Untermenschen verwandelt. Wir waren in einer anderen Welt und physisch wie psychisch sehr erschöpft."

    Thierry T.s Strategie: Teile und herrsche

    Ein Anwalt der Familienmitglieder beschrieb den Angeklagten als "Leonardo da Vinci der mentalen Manipulation". In der französischen Presse wird er mal als "Guru", mal als "Teufel von Monflanquin" hingestellt. Laut den Aussagen der Familie V. und der Sachverständigen ging er jedenfalls teuflisch vor. Er erspürte Probleme und Eifersüchteleien, wie es sie in jeder Familie gibt, und nützte sie aus. Er säte Misstrauen zwischen den Verwandten, redete den einen ein, sie würden von ihrem Partner betrogen, und anderen, sie seien von ihren Eltern missbraucht worden. Einem besonders gläubigen jungen Mann aus dem Adelshaus machte er weiß, dieser habe pädophile Neigungen und müsse daher monatelang in Isolation leben.
    Auch veranlasste Thierry T. einen Teil der Familie, nach Großbritannien zu ziehen und dort in primitiven Verhältnissen nach seinen Anweisungen zu leben. Eine Frau aus der Familie ließ er einsperren und ohne Nahrung tagelang ausharren. So berichtete die Frau es jedenfalls dem Gericht. Manche Familienmitglieder kommunizierten nur noch über Thierry V. miteinander. Teile und herrsche, nannten die alten Römer diese Strategie.
    Nicht nur dem Gericht drängt sich die Frage auf: Wie konnte die Familie V. in solcher Weise auf diesen Mann reinfallen? Der Psychiater Daniel Zagury, der als Sachverständiger beauftragt wurde, rechnete nach dem Studium der Akten damit, es mit "bizarren" Leuten zu tun zu bekommen. Stattdessen stellte er fest: Die V.'s sind "eine ganz normale Familie". Dennoch habe es der Angeklagte geschafft, solche Macht über sie zu bekommen. Thierry T. habe, psychoanalytisch gesprochen, das schutzbedürftige Kind in ihnen angesprochen und sich selbst zum alles dominierenden Vater gemacht.

    Gesteuert von einem Hintermann?
    T. streitet die Vorwürfe ab. Die Familie V. sei habgierig gewesen und habe schon vor seiner Ankunft Probleme gehabt. Er habe nur helfen wollen. Seine Hinweise auf eine Freimaurer-Verschwörung seien scherzhaft zu verstehen gewesen. Das eigentliche Opfer sei er selbst.
    Sein Verteidiger kritisierte, die Medien hätten den Angeklagten vorverurteilt und die Psychiater den Prozess "psychologisiert". Thierry T. habe in seiner Kindheit viele Abenteuerromane gelesen und lebe in einer surrealen Welt. Er habe all das geglaubt, was er der Familie V. erzählte. Zudem sei er von einem Hintermann gesteuert worden.
    Staatsanwalt Pierre Bellet ließ sich davon nicht umstimmen. In seinem Plädoyer bezeichnete er Thierry T. als "strategischen Mythomanen, Lügner, Hochstapler" und "übles Subjekt mit ekelhafter Überheblichkeit". Der Angeklagte habe Schwächen ausgenutzt, die in jedem Menschen steckten. Das Gericht solle ihn zur Höchststrafe von zehn Jahren Haft verurteilen. So lange habe er selbst die Familie V. in seinem geistigen Gefängnis gehalten.

    Soweit der Artikel aus Frankreich.
    Ich habe mich darüber mit Ulla Mieth ausgetauscht, siehe auch

    https://sites.google.com/a/hedwig-v-knorre.de/web/lebensthemen/betrug/weitere-opfer

    Ulla ist meine Freundin und selbst Opfer eines Betrügers; uns beiden ist es ein Anliegen, über die realen Zusammenhänge von Betrugsgeschehen aufzuklären.
    Ulla fand vor 4-5 Wochen einen kurzen Artikel im Lokalteil der Iserlohner Zeitung mit folgendem Inhalt:

    In Solingen wurde eine Mann gefasst und verhaftet, Anfang 50, der bei Bayreuth eine Frau um viel Geld gebracht hat: angeblich wollte er mit ihr in der Karibik einen Neuanfang starten. Er hatte noch viele andere Opfer an der Angel, und eine Frau in Solingen hat ihn angezeigt und er wurde gefasst.

    Auf diesen Artikel hin hat Ulla bei der Solinger Polizei angerufen. Sie dachte: "ist es vieleicht Biermann, MEIN Betrüger?" denn der ist seit einiger Zeit aus der Haft entlassen, im gleichen Alter und es sah ganz nach seinem Muster aus. Doch nein, es war ein anderer Mann. Der Polizist am anderen Ende der Leitung sagte zu Ulla: "was meinen Sie, wie viele schon auf den Artikel hin angerufen haben, Sie sind die vierte oder fünfte...." weiter meinte er: "Es melden sich viel zu wenige, aus Scham..." Dieser Polizist hat das Verbrechen ernst genommen und war echt interessiert. Das ist bemerkenswert, denn bei der deutschen Polizei erleben die meisten Opfer das Gegenteil: Desinteresse, Ignoranz, Verachtung, Abwehr, Abwertung, Spott und Häme. Daher ja die falsche Scham der Opfer! Die Täter müssten sich schämen, aber die kennen keine Scham.

    Ulla und ich hoffen gemeinsam mit vielen anderen Betrugsopfern auf ein Dazu-Lernen von Polizisten, Staatsanwälten, Richtern usw - im Sinne des Artikels aus Frankreich!

    viele Grüße und beste Wünsche,
     
    Hedwig v.Knorre



    25.01.2010    "...Gift ins Essen gespuckt..."



      Liebe Verwandte, liebe Freunde,

    liebe interessierte Leser meiner Betrugsopfer-Rundmails,

    ich habe in der letzten Woche ein Bild gemalt, Acryl auf Leinwand, 80x100 cm. Darauf habe ich die Hauptaspekte „unseres“ individuellen Betrugserlebens dargestellt; nun ist es auch auf meiner homepage – hier der link:

    http://sites.google.com/a/hedwig-v-knorre.de/web/lebensthemen/betrug/mein-betrueger

    Ich habe ihn gemalt, wie er kocht. Denn er hat gerne gekocht, täglich z.T. mehrfach, auch für Gäste. Er hat SEHR GUT gekocht, was u.a. an teuren Zutaten lag, die ich mir nie gekauft hätte; aber auch an seinem Restaurant-Wissen.Das Kochen steht im weiteren für Fürsorge. Er hat ja in vielen Dingen für uns gesorgt. Wie hat er sich mit mir um die Kinder gekümmert! Wie viel haben wir über ihre Probleme, ihre Erziehung gesprochen! Er hat sie zu Turnieren gefahren, usw... Das symbolisiert das Kind in der Mitte des Bildes. - Ich wußte ja damals nicht, dass er hinter meinem Rücken viel entsetzliches nachhaltiges Unheil anrichtete.

    Der Betrachter des Bildes sieht Jochen von vorne, sieht in den Topf, sieht Jochen mit einer Hand den Topf am Griff halten, in der anderen Hand locker und gekonnt den Kochlöffel. Sieht seine unschuldigen blauen Augen, sieht seine Narbe unter dem kurz geschorenen Blondhaar – die sehen Kind und Mutter vom Tisch aus übrigens auch: diese Narbe von seiner Schädelbasis-OP, die ständig an sein schweres Schicksal erinnert und das Gewissen wach hält, „seine schweren Zeiten... sind jetzt vorbei!“

    Doch die beiden am Tisch sehen nicht, dass Jochen Gift ins Essen spuckt: giftig gelb-grün, vermischt es sich mit den übrigen Zutaten im Topf. Nachher, auf dem Tisch, auf den Tellern, wird nichts davon sichtbar, spürbar oder zu schmecken sein – aber es wird wirksam sein!

    Dieses Gift steht für die Worte, die aus seinem Mund kamen. Allesamt gelogen. Selbst Wahrheiten wurden in seinen Kontexten zu Lügen, die letztlich unser ganzes Leben zerstört haben – die Materiellen Schäden waren riesig, er hat uns komplett ruiniert; und noch schlimmer: die kostbare Vertrauensfähigkeit jedes einzelnen Familienmitglieds hat schwer gelitten, bis weit über unsere Kleinfamilie hinaus in die gesamte große Verwandtschaft hinein!

    Ich habe ja lange gebraucht, bis ich verstanden habe, wie „Jochen tickt“. Als ich es verstanden habe, fühlte ich mich, als stünde ich vor einem „schwarzen Loch“ und verstand erstmals, was die Bibel meint mit „die Lüge ist die Wurzel ALLES Bösen“.

    Wie dieses Gift, so sieht nur der Betrachter des Bildes, was die beiden am Tisch nicht sehen: mit einem Auge schielt Jochen schon wieder zu seinem Schreibtisch, Computer, Telefon: in Gedanken ist er längst bei den vielen weiteren Untaten, die er plant, genüsslich, ganz davon erfüllt...

    Ganz links sitze ich. Decke noch den Tisch fertig; für Jochen steht schon alles bereit, für mein Kind und mich bin ich noch in Bewegung. Es ist unser alter runder Esstisch aus hellem Holz mit einem kräftigen Standfuss in der Mitte. Der Tisch ist nicht reich und aufwändig dekoriert, aber warm und einladend mit einer Kerze und einem liebevoll gesteckten Blumensträußchen in der Messingvase. Ich hatte nicht viele Mittel. Aber was ich hatte, nutzte ich, um unser gemeinsames Leben so liebevoll wie möglich zu gestalten. Kurz zuvor war ich ja noch Opfer häuslicher Gewalt gewesen, völlig gebrochen „ins Nichts geflohen"; während der Zeit mit Jochen hatte ich doch vergleichsweise an Kontur, an Persönlichkeit gewonnen...

    Ich schaue in Jochens Richtung, habe ihn und das Kind gleichermassen im Auge, freue mich, dass wir alle zusammen sind – eine komplette Familie, das Kind hat einen Vater, Jochen hat eine Familie, wir essen zusammen, das Leben ist in Ordnung – nicht perfekt, aber das erwarte ich nicht: Ich bin realistisch – denke ich zumindest - - -

    - - denn DIESE Realität war mir UNVORSTELLBAR !

    Es war ein schwerst traumatisierendes Erleben, dieser Betrug. Und Jochen – zur Zeit macht er weiter; seit November 2007 hat er die nächsten Geschäfts- und Privatleute am Wickel. Die Justiz interessiert es nicht. Betrug durchsetzt unsere gesamte Gesellschaft; dafür hat mir mein Erleben die Augen geöffnet. Manchmal resigniere ich – und manchmal ermutigt mich wieder jemand...

    Mut = gut !

    In diesem Sinne: einen guten Start in die neue Woche,

    mit vielen Grüßen!

    Hedwig v.Knorre



    Prof. Dr. Niels Birbaumer im Interview       6.Juni 2010


    Liebe Verwandte, liebe Freunde,

    liebe interessierte Leser meiner Betrugsopfer-Rundmails!

    Der weltweit bekannte Professor Dr. Niels Birbaumer hat mir ein Interview gewährt – hier ist der link:

    http://frauen.wueste-welle.de/?p=617

    mein dazu gehöriger Text lautet:

    „MENSCHEN sind verschieden – jeder hat Stärken und Schwächen und „seinen Sprung in der Schüssel“ – nicht jeder kann mit jedem: soviel ist klar. Aber was ist mit den wirklich schlimmen Untaten einiger weniger, die das Leben ihrer Mitmenschen auf vielfältige Weise nachhaltig zerstören? Psychopathen, Soziopathen – man tut sich schwer in Deutschland mit diesen Begriffen, denn im 3.Reich hieß es dann sofort „ab in die Gaskammer“. Doch die Opfer dieser durchweg destruktiven Persönlichkeiten leiden weltweit, auch heute in Deutschland, und inzwischen wendet man sich dem Phänomen antisozialer Persönlichkeiten in neuer Weise zu (s.a. http://www.hedwig-v-knorre.de/Home/soziale-verhaltenswissenschaften/der-soziopath-von-nebenan---buchbesprechung). Aus dem Aspekt der Hirnforschung äußert sich der bekannte Tübinger Professor Dr. Niels Birbaumer zum Thema.“

    Wozu das alles in einer Betrugsopfer-Rundmail?

    Das erkläre ich kurz aus meiner persönlichen Geschichte:

    Vor genau 7 Jahren, ab dem 5. Juni 2993, stand meine Welt Kopf, komplett. Mein Ehemann war verschwunden; Deutschland war plötzlich ein Dschungel, Überleben schier unmöglich. Unbekanntes, fast nur feindliches Neues umgab mich; bislang vertraut Normales und bekannte Sicherheiten fehlten total. Ratlosigkeit, keinerlei Zuständigkeiten, nirgends...

    „Was ist eigentlich los – was hat Jochen eigentlich gemacht?“ Neben dem Kampf ums Überleben, rund um die Uhr, musste ich das einfach heraus finden. Es dauerte Monate, Jahre. Detektivarbeit musste ich leisten: wochenlang räumte ich Jochens Schreibtisch auf, suchte Kontakt zu jedem Menschen, von dem ich Daten fand; ich telefoniert, mailte, chattete (! tat ich sonst nie), faxte und fuhr nach München, Berlin und sonst wohin, um Klarheit zu bekommen.

    Immer wieder neu war ich erstaunt, wie die vielen anderen Opfer auch – schockiert – entsetzt: „DAS hat mein Mann getan?!“ Fassungslosigkeit auf allen Ebenen; niemand hat es durchschaut, niemand hat so etwas erwartet oder geahnt...

    „.. und WIE hat er das gemacht?“ fragten sich andere Opfer mit mir. Äußerst trickreich, phantasievoll und hoch intelligent, fanden wir heraus. Zum Beispiel Vaytreenee, seine gute Bekannte aus USA, die sogar hier in Deutschland gewesen war – mit der andere Opfer intensive mail- und Chatkontakte pflegten, unabhängig von Jochen – es gab sie garnicht! Jochen hatte sie erfunden, „gespielt“! Anscheinend hat er am Computer „ge-hackt“, mit Hilfe, denken wir, da er eigentlich am Computer nicht gut war. Usw...

    WAS hat er gemacht? WIE hat er das gemacht?

    Als uns das schließlich klar wurde, nach und nach, fragte ich mich nach dem WARUM:

    WARUM tut ein Mensch SO ETWAS?

    Joachim Wundrack, genannt Jochen, war kein gewöhnlicher Mensch. Mit Kindern und Jugendlichen kann er besser als die besten Eltern und Erzieher, einfühlsamer hilft er weiter als ein Psychotherapeut; super kochen und organisieren und Auto fahren kann er und und und... : WARUM tut er SO ETWAS?

    Klar war nämlich: es war nicht „aus Versehen “ passiert oder „durch Unsicherheit“, sondern gewollt – gezielt – bewußt. Alles Gute hatte er gespielt, um in die Nähe seiner vielen Opfer zu kommen, mit dem Ziel, genau dort so viel Zerstörung anzurichten wie nur möglich. Geld und Sex hat er auf dem Weg „mitgenommen“, doch offensichtlich ging es ihm um den Reiz an seinem „Spiel“.

    Ich konnte es nicht einordnen. Solche Menschen gab es nicht in meiner Welt. Auch nicht theoretisch. Immerhin hatte ich studiert; da nahm Persönlichkeitsdiagnostik einen breiten Raum ein. Auch war das von klein auf mein ureigenes Interesse gewesen: was machen Menschen – mit anderen Menschen – und warum? Schon in meiner „Psycho“-vorbelasteten Großfamilie war das oft „Thema“, und sogar in meiner Schule, im ersten Pädagogik-Unterricht...

    … doch nirgends hatte es solch eine Persönlichkeit gegeben.

    Nun vollbrachte ich also eine Art „persönliche Höchstleistung“, indem ich Jochens Persönlichkeit ganz neu treffend definierte. Noch namenlos. „Betrüger“ war das einzige Wort, das ich kannte. Voller Entsetzen musste ich diese Erkenntnis einfach weiter geben, zur Warnung: „Passt auf – es gibt solche Menschen!

    Inzwischen habe ich entdeckt, dass auch die Wissenschaft sich jetzt damit beschäftigt! Es gibt Bücher – es gibt Definitionen – alles noch „in den Kinderschuhen“, meiner Ansicht nach, aber immerhin bin ich nicht mehr alleine mit dieser Erkenntnis – darüber bin ich begeistert: verständlich, oder?!

    So kam also dieses Interview zustande.

    Dr. Birbaumer wußte nichts von meinem Opfer-Dasein.

    Er hat einfach sein Fachwissen mit mir geteilt.

    Es lohnt sich! Knapp 20 min – hört mal rein!

    Mit vielen Grüßen,

    Hedwig v.Knorre



    Betrugsopferrundmail: 9 Jahre später      18.09.2010


    Liebe Verwandte, liebe Freunde,
    liebe interessierte Leser meiner Betrugsopfer-Rundmails...

    …die selten geworden sind. Warum?
     - Ich war dieses Jahr mehr krank als gesund.
     - es gibt nicht viel Neues.
     - wer es wissen will, weiß längst -->

     --> dass Betrugsopfer nicht dumm sind
     --> dass Betrüger Verbrecher sind, die ihr Handwerk verstehen
     --> dass die deutsche Justiz davon keine Ahnung hat.

    Trotzdem schreibe ich heute noch mal eine Rundmail, um in Erinnerung zu bringen, dass die Opfer die wahren Verlierer sind - auf Dauer - nicht nur materiell!

    Immer wieder rufen mich Menschen an, die aktuell zu Betrugsopfern wurden: Fremde oder auch alte Bekannte, die es jetzt getroffen hat. Aufgeregt, aufgelöst, "ungerecht! Polizei! Rechtsanwalt! das kann doch nicht..."
    damit haben sie recht. Aber es ist immer wieder ähnlich, und nach wie vor haben die Opfer wenig Handlungsmöglichkeiten.

    Dazu ein paar Aspekte aus der modernen Traumaforschung:

    Psychische / seelische Traumata haben schwerwiegende Langzeitfolgen: Schlaf-, Konzentrations-, Leistungs-, Kommunikationsstörungen; Depressionen bis zur Suizidalität; auch Persönlichkeitsveränderungen: ehemals selbstbewußte Menschen mutieren dauerhaft zu selbstunsicheren Persönlichkeiten - um nur einige Folgen anzutippen.
    Wird solch ein Trauma durch einen Menschen ausgelöst, wirkt es sich viel stärker aus, als wenn eine Naturkatastrofe oder eine Krankheit die Ursache ist.
    Je näher der Mensch - also der Täter - dem Opfer steht, desto schwerwiegender werden die Folgen sein.
    Damit ist klar, dass Liebes-, Ehe- und Heirats-Betrug schwerste Traumata zur Folge haben muss.

    Beispielhaft für ca. 10.000 dieser Opfer / Jahr in Deutschland schreibt mir ein Betrugsopfer folgende mail (s.u.); der “Crash” liegt nun 9 Jahre zurück.

    Mit den besten Wünschen für einen Bewußtseinswandel in Öffentlichkeit und Justiz,

    Hedwig v.Knorre

    hier nun die mail des Betrugsopfers

    Von: <xxxxxx>
    An: Hedwig v.Knorre <hedwigvk@yahoo.de>
    Gesendet: Mittwoch, den 8. September 2010, 21:40:32 Uhr
    Betreff: 9 Jahre später


    Liebe Hedwig,
     
    die immer noch vergleichbar mit einem Domino-Effekt  - 9 Jahre nach den Betrugsattentaten des Herrn Berger - meine Existenz bedrohenden Folge-Schäden sind in diesen Sommerferien wieder derart angestiegen, dass mein Körper so reagiert:
     
    - Händezittern bei feinmotorischen Anforderungen bei Überanstrengung.
    - Ohrgeräusche ( auf einem Ohr ein ganz hoher Piepston - auf dem anderen Ohr ein tiefes brummen ). Außerdem ein immer wieder auftetendes Rauschen in beiden Ohren.
    - Kurzzeitig gerate ich aus dem Gleichgewicht
    - blutender und nässender und schuppender Herpesbefall über die gesamte Unterlippe
     
    Nur sehr langsam komme ich vorwärts.
    Nur sehr langsam wird das Licht am Ende des Tunnels heller.
    Der tägliche Seiltanz zwischen Bewältigung und Überforderung grenzt immer wieder an lebensbedrohliche Zustände.
     
    Ich versichere mir, Dir, allen Lebewesen und dem Universum:
     
    Hätte ich nicht diesen enormen Willen zu überleben, die Gewissheit, daß die wundervolle Natur mir hilft, den Mut mir immer wieder Hilfe zu suchen, die Gewissheit, daß meine Innere Stimme Recht hat, den Glauben an einen guten Gott und ein sehr gesundes Rechtsbewußtsein.....
    ich wäre heute nicht mehr am Leben.
    Ich meine es genauso wie ich es schreibe.
    Ich wäre zwischenzeitlich irgendwie gestorben oder hätte den Kopf in den Sand gesteckt.
     
    JEDES Opfer derartiger Betrügereinen kann ich verstehen, dem es schlechter- viel schlechter ergeht !
    Das ich hier und heute schreiben kann und dass es langsam bergauf geht -
    ist zu einem Teil meine Hartnäckigkeit zum anderen Teil das Verständnis aller meiner Freunde und zur Hälfte ein Wunder.
     
    Ich möchte allen Opfern von Kriminalität Mut machen, Verständnis zeigen, Segen überbringen, Kraft schicken - jeden Tag neu und immer wieder.
     
    Ich habs noch nicht überstanden, ich habs noch nicht überlebt.
    Aber ich werde es überstehen und ich werde es überleben.
    Denn ich bin OK so wie ich bin und ich bin gut, fair, achtsam, fleißig, sorgsam, liebevoll, optimistisch, humorvoll, menschlich, ernsthaft, konsequent, aufrichtig......
    ..........
    Hedwig, lange habe ich nichts von Dir gehört.
    hoffentlich befindest auch Du Dich weiter auf dem Weg des Aufstieges, der Heilung, der Wiedergutmachung, der Verteidigung, der Prävention.
     
    herzliche Grüße
    anomym


    26.09.2010  Betrugsopferrundmail aus Hessen

    Liebe Verwandte, liebe Freunde,

    liebe interessierte Leser meiner Betrugsopfer-Rundmails,

    Gestern bin ich gut 3 Stunden im Auto zu meiner Freundin gefahren. Sie ist eine fleißige erfolgreiche Kleinunternehmerin mit eigenem Haus und Angestellten. Wir hatten während der Woche schon mehrfach telefoniert; nun arbeiteten wir gut 6 Stunden ohne Pause an ihrer Geschichte: sie wurde aktuell zum Betrugsopfer.

    Ich würde gerne darauf verzichten – auf die Lebenserfahrung, dass ich selbst zum Betrugsopfer wurde; doch hier war ich glücklich, dass ich meiner Freundin weiter helfen konnte - „aus Mist ? Dünger machen!“ Mit all ihrem Erleben war ich vertraut

    -                 durch meine eigene Geschichte,

                 die ich inzwischen gründlich verarbeitet habe,

    -                 durch die vielen anderen Betrugsopfer,

                 die ich inzwischen kennen gelernt habe,

    -                 durch meine fundierte theoretische Arbeit darüber.

    Es war alles typisch.

    Sie war innerlich völlig orientierungslos geworden: „unten – oben / vorne – hinten / rechts – links“, das alles galt nicht mehr, im übertragenen Sinn. Ihre Werte und Grundüberzeugungen, ihre gute Haltung anderen Menschen gegenüber war zerbrochen; die Scherben schnitten tiefe schmerzhafte Wunden in ihre Seele, unerträglich. Sie war extrem angespannt und ambivalent: manchen besten Freundinnen hatte sie noch garnichts erzählt – aus Scham; wollte aber zu Polizei, Rechtsanwalt und Gericht in ihrer überschäumenden Aufregung über die Ungerechtigkeit, die ihr widerfahren war.

    Sie erzählte, ich schrieb, strukturierte und stellte meine Rückfragen. Nach 6 Stunden hatten wir das Wichtigste chronologisch beisammen, auf 4 Seiten. Während dessen antwortete ich ihr mit passenden Parallelfällen, berichtete ihr von vielfältigen Erfahrungen mit anderen Tätern und der Justiz. Wir wogen sorgsam Für und Wider verschiedener Vorgehensweisen ab. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden:

    -                 sie hat ihre guten Werte wieder: Ehrlichkeit, Entgegenkommen, Fleiß, Hilfsbereitschaft, Vertrauensfähigkeit, Verständnis, Freundlichkeit, Geduld, Konsequenz... waren nicht „schuld“ am Geschehen! Im Gegenteil, damit ist sie selbst im Leben weit gekommen und hat schon vielen Menschen, die es wert waren, echt weiter helfen können.

    -                 SCHULD war einzig und allein der Betrüger! Das erkannte sie nun – im Nachhinein, wie man fast alle Verbrechen erst im Nachhinein erkennt, wie z.B. Einbruch oder Autodiebstahl.

    -                 Sie wird sich nicht an die Justiz wenden. Sie hat verstanden, dass sie zu einem echten Opfer eines echten Verbrechers wurde, dass unsere Justiz aber nichts für sie tun wird – obwohl es ein Gesetz dafür gibt; ich habe es ihr gezeigt und erklärt, dass es nicht angewandt wird. Im Gegenteil: zu den ca. 3000,- Euro  Schaden (mühsam erarbeitet!) müsste sie noch Rechtsanwalt usw zahlen und könnte nirgends Unterstützung oder Entschädigung erwarten.

    Ihre innere Richtung hat sie gefunden und damit ihren inneren Frieden wieder gewonnen. Sie hat ihre eigene Geschichte verstanden und wird jetzt in ihrem sozialen Umfeld offen und souverän damit umgehen können. Dann wissen alle, woran sie sind, mit ihr und mit dem Betrüger. Damit können zerstörte Vertrauensbeziehungen wieder hergestellt werden. Das ist überaus wichtig! Vor allem für ihre Familie: mit ihren Kindern wird sie wieder ruhiger und sicherer zusammen leben; auch hier hatte der Betrüger einigen Schaden angerichtet. Sie ist froh, dass sie in ihrem Haus wohnen bleiben kann und weiß, dass sie am besten voran kommen wird, je gründlicher sie sich von ihm und dem Geschehen distanziert, innerlich und äußerlich –  in der Bereitschaft, effektiv vor ihm zu warnen, wo  nötig und möglich. 

    All diese Details sind ja individuell sehr verschieden; Für und Wider jedes möglichen Vorgehens müssen jedes mal neu sorgsam nach allen Seiten abgewogen werden.

     Es war ein anstrengender Tag. Doch ich habe mich gerne angestrengt und wünsche mir, dass sowas nur sehr selten nötig ist...

    ...und in der irrigen Hoffnung, dass sich die Lage doch mal zu Gunsten ehrlicher, fleißiger Menschen ändert, grüße ich herzlich!

    Hedwig v.Knorre






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