...auch persönlich

möchte ich mich vorstellen:

Ich heiße Hedwig.

Dieser Name ist germanischen Ursprungs und setzt sich zusammen aus “Hadu” und “Wig”. Beides bedeutet so etwas wie “Kampf”: Hedwig ist also die “kämpferische Kämpfende” oder die “kämpfende Kämpferin”. Das weiß ich erst seit wenigen Jahren. Als ich es heraus fand, war ich sehr ärgerlich; ich dachte: "ich möchte nichts als einfach nur in Frieden leben - und musste doch mein Leben lang kämpfen, dazu hab ich keine Lust!" Inzwischen habe ich mich mit meinem Namen arrangiert und denke mir, “dann kämpfe ich eben weiter um Frieden und Gutes, wo nötig…”


Vorher wusste ich nur, dass meine beiden Großmütter “Hedwig” hießen: die eine mit Haupt-, die andere mit Zweitnamen. So hatten meine Eltern bei der Geburt ihrer ersten Tochter nichts besseres zu tun als ihre Mütter mit dieser Namensgebung zu erfreuen. Nett gemeint, doch während “Hedwig” um die Jahrhundertwende zur Kinderzeit meiner Großmütter ein Modename war,  wurde ich zwischen Ulrikes und Petras und Karins befremdet angeschaut, wo immer ich meinen Namen nennen musste, sei es im Kindergarten, bei Kindergeburtstagen oder in der Schule.

Ein besonderes Erlebnis habe ich nie vergessen: in unserer Nachbarschaft war ein Internat; mein Vater hatte auch beruflich damit zu tun, so streunte ich manchmal dort herum; manche 5. und 6-Klässler turnten mit Handpuppen auf ihren Stockwerkbetten herum - ich Kindergartenkind war schwer beeindruckt! Eines Samstag nachmittags  war Elternbesuchstag. Der Speisesaal war voller Eltern, die Kaffee tranken. Etwas verloren strich ich um die besetzten Tische herum. Da sprach mich eine nette elegante Dame an: “Kleine, wie heißt du denn?” Ich antwortete: “Hedwig”. Da kriegte sie sich gar nicht mehr ein vor Begeisterung! “So heiße ich auch! So heißen die Kinder heute doch gar nicht mehr!”  Sie kramte in ihrer feinen Handtasche schenkte mir FÜNF MARK und EINE GANZE TAFEL SCHOKOLADE.

Streng und misstrauisch wurde ich damit zu Hause empfangen. Selbstverständlich lieferte ich beides sofort brav an meine  Eltern ab: Kinder hatten kein Geld zu haben und auch keine Süßigkeiten. Ich bekam damals 10 Pfennig pro Woche, die ich sofort in mein Sparschwein zu stecken hatte. Und manchmal bekamen wir abends 2 Schokoladenplätzchen, diese kleinen runden Dinger mit bunten Zuckerkügelchen drauf; die pickten wir dann eins ums andre ab und knabberten so lange wie möglich genüsslich daran herum.

(Als ich das kürzlich jemandem erzählte, meinte mein Gegenüber, “du hättest es doch einfach behalten können… die Schokolade aufessen können…DU hast es doch geschenkt bekommen!” Ich war verblüfft. Auf diese Idee wäre ich nie gekommen, damals nicht und später auch nicht. Erst jetzt, mit 50, denke ich: “stimmt, warum denn eigentlich nicht”.)

Modename wurde “Hedwig” während meiner 50 Lebensjahre bisher nicht. Aber seit Harry Potters Eule brauche ich wenigstens nicht  mehr zu buchstabieren… 

Ich bin in einer sehr großen Familie aufgewachsen, die z.T. langweilige, teils aber auch sehr interessante Menschen beheimatet (hat).


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